Massage
und Physiotherapie an Tieren!
Heilung durch Streicheln – Massage und Physiotherapie an Tieren
Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts wird die Massage
an Tieren praktiziert.
Angefangen hat es in Europa in
der Kavallerie, wo man die Pferde vor und nach jedem Ritt massiert
hat, um Muskelverspannungen und –verkrampfungen der Tiere
zu lockern und die Muskulatur geschmeidiger zu machen. Im fernen
Osten wird die Massage schon seit Jahrtausenden durchgeführt.
Massagen können verkrampfte Muskeln entspannen,
Nerven anregen oder beruhigen, den Lymphabfluss beschleunigen, Schmerzen
lindern, sowie insgesamt anregen und das Wohlbefinden steigern.
Die Massage zählt zu den physiotherapeutischen
Behandlungen von Gewebe und Muskeln durch Druck- und Zugreize. Das
Massieren mit den Händen bewirkt einen Energieaustausch und
eine Stoffwechselanregung im entsprechenden Gebiet. Das Bindegewebe
wird entschlackt und über Lymphe und Venen gereinigt. Durch
die angeregte Durchblutung werden blockierte Gewebsbezirke entspannt
und von Stauungen befreit. Der Zellstoffwechsel im massierten Gebiet
reaktiviert sich und unnötige Ballaststoffe können durch
die verstärkte Gewebsdurchblutung abgeführt und Schmerzen
gelindert werden.
Es gibt unterschiedliche Massageformen, z.B. die klassische
Massage, in der durch Streichung (Effleurage), Reibung (Friktion),
Knetung (Petrissage), Schüttelung (Vibration) und Klopfung
(Tapotement) die verschiedensten Beschwerden behandelt werden. Bei
der Streichung handelt es sich um einen großflächigen,
entspannenden Griff, der die erste Kontaktaufnahme zum Patienten
darstellt und auch der Griff ist, der jede Massage beendet. Der
Griff der Reibung ist sehr anregend. Er führt zu starker Mehrdurchblutung
der Haut und zu Gewebsentwässerung. Die Folge ist mehr Gewebselastizität
und eine Aktivierung des Stoffwechsels. Das Ziel der Knetung ist
vor allem die Lockerung von Unterhautverklebungen, eine Anregung
des Lymphflusses und die Beeinflussung des Muskelstoffwechsels und
Muskeltonus. Die Schüttelung wirkt rein entspannend zur Muskelrelaxation.
Die Klopfung wird kräftiger eingesetzt und dient ebenfalls
der Lockerung und Entspannung, also hauthyperämisierend und
muskeltonusanregend. Bei Tieren darf sie in keinem Fall als scharfe
Hackung mit der Handkante großflächig im Rückenbereich
eingesetzt werden, da sie es als stark irritierend wahrnehmen und
mit Abwehr reagieren.
Die Wirksamkeit einer Massage ergibt sich erst aus
dem angepassten Einsatz der Massagegriffe und ihrer Kombination
untereinander. Grundsätzlich können die meisten der fünf
klassischen Griffe sowohl tonisierend als auch detonisierend wirken
und eingesetzt werden. Regulär kann man sagen, die oberflächliche
Effleurage, die oberflächliche Petrissage, das sanfte Tapotement
und die Vibration wirken detonisierend. Die tiefe Effleurage, die
tiefe Petrissage, das kräftige Tapotement und die Friktion
wirken tonisierend.
Die Einsatzgebiete der klassischen Massage sind zahlreich.
An der Muskulatur wird sie tonusregulierend sowohl beim Hypertonus
der Muskulatur, dem Hartspann, wie auch der Parese eingesetzt, aber
auch zur schmerzlindernden Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen.
Sinnvoll ist ebenfalls die Massage im Bindegewebe, bei der Adhäsionen
gelöst werden, Narbenstrukturen gedehnt und Ödeme ausgeschwemmt
werden. Bei degenerativen Gelenkerkrankungen, wie der Arthrose,
findet die klassische Massage ihre Verwendung, um einerseits atrophische
gelenknahe Muskeln zu tonisieren und andererseits die antagonistischen
Muskelgruppen zu detonisieren. Das Ziel ist die Verminderung der
Gelenkfeststellung, wobei zusätzlich die Durchblutung in den
Gelenkkapseln verbessert wird. Selbst die Innere Medizin verzichtet
nicht auf Massagen, denn z.B. bei leichten bis mittleren Herz-Kreislauf-Insuffienzen
ist die „physikalische Digitalwirkung“ der Massage von
Nutzen. Lokale Durchblutungsstörungen können behoben werden,
bronchiale Sekretstauungen und Bronchialobstruktionen lassen sich
lösen.
Der Beginn jeder Massage ist sanft. Im weiteren Ablauf
arbeitet sich der Behandelnde von der Körperoberfläche
in die tiefergelegenen Gewebsschichten hinein, indem er sie Schicht
um Schicht erwärmt und lockert. Im Anschluss an jede Behandlung
muss der Patient unter einem warmen Tuch nachruhen, was meist nicht
schwer zu bewerkstelligen ist. Oft kommt es schon während der
Behandlung dazu, dass der Patient einschläft, da jede Behandlung
nicht nur entspannend, sondern auch anstrengend ist. Die Massagedauer
für eine Ganzkörpermassage beträgt für Katzen
ca. 20, für Hunde ca. 30 und für Pferde mindestens 60
Minuten. Die Häufigkeit der Behandlung richtet sich nach dem
zu behandelnden Problem. Akute Fälle werden in der Regel täglich
oder jeden zweiten Tag behandelt, chronische Fälle ein- bis
zweimal die Woche und es wird meist in Behandlungsserien von 5 oder
10 Anwendungen gearbeitet.
Auch eine Lymphdrainage ist bei Tieren durchführbar.
Unter kreisendem Druck wird möglicher Lymphrückstau beseitigt,
indem der Rückfluss der Lymphflüssigkeit über das
Lymph- und Venensystem beschleunigt wird. Lymphe transportiert aus
der Nahrung stammende Stoffe vom Darm ins Blut und spielt in der
Immunabwehr eines Tieres eine bedeutende Rolle.
Egal ob Mensch oder Tier, die Grundidee der Naturheilkunde
ist ähnlich: die Selbstheilungskräfte sollen in Gang gesetzt
werden, das Ungleichgewicht im Körper gesucht und ganzheitlich
geheilt werden.
Vor jeder Selbstdiagnose und Behandlung sollte immer
ein Tierarzt konsultiert werden, da z.B bei akuten Erkrankungen,
besonders bei fieberhaften und infektiösen, bei lokalen Entzündungen,
wie Arthritis, bei frischen Verletzungen, wie Frakturen und Muskelrissen,
bei Blutungsneigung und Hämatomen, bei Hautveränderungen
und bei Tumoren jeder Art von Massagen dringend abzuraten ist.
Text: Sabine Horschel
__
_
|